Krankenversicherung in Spanien: Was Auswanderer wissen müssen
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Rund 190 Euro pro Monat zahlt ein Auswanderer auf Mallorca durchschnittlich für seine Krankenversicherung – deutlich weniger als in Deutschland. Das Thema Krankenversicherung gehört zu den größten Fragezeichen vor dem Umzug nach Mallorca. In Deutschland ist man es gewohnt: GKV oder PKV, fertig. In Spanien sieht das Ganze anders aus – und ehrlich gesagt oft besser, als viele erwarten.
Das spanische Gesundheitssystem im Überblick
Spanien hat ein öffentliches Gesundheitssystem namens Sistema Nacional de Salud (SNS), das über Steuern und Sozialabgaben finanziert wird. Die Qualität ist grundsätzlich gut – Spanien liegt in internationalen Rankings regelmäßig vor Deutschland. Auf den Balearen heißt das regionale System IB-Salut.
Wer hat Anspruch auf das öffentliche System?
Als EU-Bürger hast du mehrere Wege in das spanische Gesundheitssystem:
1. Über eine Anstellung in Spanien
Wenn du oder dein Partner in Spanien arbeitet und Sozialversicherungsbeiträge zahlt (Seguridad Social), seid ihr und eure Familie automatisch im öffentlichen System versichert. Das gilt auch für Autónomos (Selbstständige), die den monatlichen Beitrag zur Seguridad Social zahlen – damit ist die ganze Familie abgesichert.
2. Über die EHIC (Europäische Krankenversicherungskarte)
Die blaue Karte deiner deutschen Krankenkasse gilt für vorübergehende Aufenthalte – also Urlaub oder die erste Zeit. Für Auswanderer ist sie nicht gedacht und wird nach einigen Monaten nicht mehr akzeptiert.
3. Über das Convenio Especial
Wenn du weder arbeitest noch aus einem EU-Land Versicherungsschutz exportierst, kannst du das Convenio Especial abschließen: eine Art freiwillige Mitgliedschaft im spanischen Gesundheitssystem für ca. 60 €/Monat pro Person (unter 65 Jahre).
Die Tarjeta Sanitaria (SIP-Karte)
Deine Eintrittskarte ins spanische Gesundheitssystem ist die Tarjeta Sanitaria Individual (TSI) bzw. auf den Balearen die SIP-Karte. Damit kannst du:
- Zum Hausarzt (Médico de Cabecera) im Centro de Salud gehen
- Fachärzte aufsuchen (mit Überweisung)
- Ins Krankenhaus (Hospital)
- Medikamente mit Rabatt in der Apotheke kaufen
Die Karte beantragst du bei deinem lokalen Centro de Salud mit NIE, Empadronamiento und Nachweis der Sozialversicherung.
Braucht man eine private Zusatzversicherung?
Viele Deutsche auf Mallorca haben zusätzlich eine private Krankenversicherung (Seguro Médico Privado). Die beliebtesten Anbieter sind Sanitas, Adeslas, Asisa und DKV. Kosten: ca. 50-120 €/Monat pro Person.
Vorteile einer privaten Versicherung:
- Kürzere Wartezeiten bei Fachärzten (im öffentlichen System kann es Wochen dauern)
- Freie Arztwahl
- Zugang zu Privatkliniken (z.B. Clínica Rotger, Hospital Quirónsalud)
- Oft bessere Zahnversorgung und Augenmedizin
So läuft ein Arztbesuch auf Mallorca ab
Im öffentlichen System gehst du mit deiner SIP-Karte zum Centro de Salud (Gesundheitszentrum) in deiner Gemeinde. Dort bist du einem Hausarzt (Médico de Cabecera) zugeordnet. Für dringende Anliegen gibt es auch die Möglichkeit, ohne vorherigen Termin vorbeizugehen – die Wartezeit liegt dann meistens bei 30-60 Minuten.
Für reguläre Termine beim Kinderarzt (Pediatra) beträgt die Wartezeit typischerweise 2-5 Tage, akute Termine sind am selben Tag möglich. Die Ärzte auf Mallorca sind in der Regel freundlich und kompetent. Viele haben Erfahrung mit ausländischen Patienten und geben sich Mühe, auch mit Patienten zu kommunizieren, die noch kein perfektes Spanisch sprechen.
Medikamente und Apotheken
Die Apothekenversorgung auf Mallorca ist hervorragend. In fast jedem Dorf gibt es mindestens eine Farmacia. Viele Medikamente, die in Deutschland verschreibungspflichtig sind, bekommt man hier frei. Die Zuzahlungen im öffentlichen System sind gering – Berufstätige zahlen ca. 40% des Medikamentenpreises, Rentner deutlich weniger.
Notfälle und Krankenhäuser
Im Notfall rufst du die 112 an (europäische Notrufnummer). Du landest in der Notaufnahme (Urgencias) des nächsten öffentlichen Krankenhauses – das funktioniert auch ohne Tarjeta Sanitaria. Die Behandlung in der Notaufnahme ist für EU-Bürger immer kostenlos.
Die wichtigsten Krankenhäuser auf Mallorca: Son Espases (Palma, das größte und modernste), Son Llàtzer (Palma, zweites öffentliches Krankenhaus) und das Hospital de Manacor (für den Osten der Insel). Private Alternativen wie die Clínica Rotger oder das Hospital Quirónsalud bieten kürzere Wartezeiten und deutschsprachige Ärzte – kosten aber 150–300 Euro pro Besuch ohne Versicherung.
Ein Tipp aus der Praxis: Lade dir die Nummern deines Gesundheitszentrums und des nächsten Krankenhauses auf dein Handy. Im Ernstfall willst du nicht erst googeln müssen. Und melde dich so schnell wie möglich bei deinem Centro de Salud an – dort bekommst du einen Hausarzt (Médico de Cabecera) zugewiesen, der dein erster Ansprechpartner bei allen gesundheitlichen Fragen ist.
Zahnbehandlungen und Facharztbesuche
Ein wichtiger Unterschied zu Deutschland: Zahnbehandlungen sind im öffentlichen Gesundheitssystem nur minimal abgedeckt (Notfälle und Kinderbehandlungen). Für reguläre Zahnarztbesuche, Füllungen, Reinigungen und Zahnersatz brauchst du eine private Zahnzusatzversicherung oder zahlst aus eigener Tasche. Die Kosten für Zahnbehandlungen sind auf Mallorca allerdings oft 20-30 Prozent günstiger als in Deutschland.
Facharzttermine über das öffentliche System können 2-6 Monate Wartezeit haben. Mit einer privaten Zusatzversicherung bekommst du Termine innerhalb von 1-2 Wochen. Das ist der Hauptgrund, warum die meisten Auswanderer eine Kombination aus öffentlicher und privater Versicherung wählen.
Am Ende zählt
Das spanische Gesundheitssystem bietet eine solide Grundversorgung über das öffentliche System. Wer kürzere Wartezeiten und freie Arztwahl möchte, sollte eine private Basis-Versicherung (Seguro Médico) in Betracht ziehen – ab ca. 50 €/Monat pro Person ist man gut abgesichert. Die Kombination aus öffentlichem System und privater Zusatzversicherung ist die beliebteste Lösung unter deutschen Auswanderern auf Mallorca.
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