Stromrechnung verstehen: Iberdrola, Endesa und wie man Anbieter wechselt
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Die erste spanische Stromrechnung ist für die meisten Auswanderer ein kleiner Schock – nicht unbedingt wegen der Höhe, sondern wegen der Komplexität. Während in Deutschland die Abrechnung relativ übersichtlich ist, strotzt die spanische Factura de la Luz vor Fachbegriffen und Posten. wie du sie entschlüsselst und bares Geld sparen kannst.
Die großen Stromanbieter auf Mallorca
In Spanien gibt es einen deregulierten Strommarkt. Das heißt, du kannst deinen Anbieter frei wählen. Die wichtigsten Player auf Mallorca sind:
- Endesa: Historisch der größte Anbieter auf den Balearen. Die meisten Wohnungen auf Mallorca haben einen Endesa-Vertrag, wenn du einziehst. Endesa gehört zum italienischen Enel-Konzern.
- Iberdrola: Zweitgrößter Anbieter Spaniens, sehr präsent auf Mallorca. Bietet oft aggressive Wechsel-Angebote.
- Naturgy (ehemals Gas Natural Fenosa): Dritter großer Anbieter, vor allem in Kombipaketen (Strom + Gas) stark.
- Kleinere Anbieter: Holaluz, Som Energia (Genossenschaft, Ökostrom), Lucera, Octopus Energy – oft günstiger und transparenter als die Großen.
Wichtig: Der Netzbetreiber auf Mallorca ist immer e-distribución (eine Endesa-Tochter). Egal welchen Anbieter du wählst – das Stromnetz bleibt dasselbe. Ein Anbieterwechsel bedeutet also keinen Techniker-Besuch und keine Unterbrechung.
Die Stromrechnung verstehen: Posten für Posten
Eine typische spanische Stromrechnung (factura de la luz) besteht aus diesen Hauptposten:
1. Potencia contratada (vertraglich vereinbarte Leistung)
Das ist der wichtigste Posten und gleichzeitig der verwirrendste für Deutsche. Die Potencia contratada ist die maximale elektrische Leistung, die dein Anschluss gleichzeitig liefern kann – gemessen in kW.
- Typische Wohnung: 3,45 kW oder 4,6 kW
- Große Wohnung / Klimaanlage: 5,75 kW oder 6,9 kW
- Haus mit Pool + Klimaanlage: 8,05 kW oder mehr
Du zahlst für diese Leistung jeden Monat, egal ob du Strom verbrauchst oder nicht. Das ist wie eine Grundgebühr. Wenn du zu viele Geräte gleichzeitig einschaltest und die Potencia überschreitest, fliegt die Sicherung (der ICP-Schalter springt raus).
Spar-Tipp: Viele Wohnungen haben eine zu hohe Potencia eingestellt. Prüfe, ob du wirklich 6,9 kW brauchst oder ob 4,6 kW reichen. Die Reduzierung spart 10-20 € pro Monat.
2. Energía consumida (Stromverbrauch)
Das ist der tatsächliche Verbrauch in kWh. In Spanien gibt es seit 2021 drei Zeitzonen mit unterschiedlichen Preisen:
- Punta (Spitze): Mo-Fr 10:00-14:00 und 18:00-22:00 – teuerster Strom
- Llano (Mittel): Mo-Fr 08:00-10:00, 14:00-18:00, 22:00-00:00 – mittlerer Preis
- Valle (Tal): Mo-Fr 00:00-08:00, ganztägig an Wochenenden und Feiertagen – günstigster Strom
Spar-Tipp: Waschmaschine, Spülmaschine und Trockner nachts oder am Wochenende laufen lassen. Der Preisunterschied zwischen Punta und Valle kann bis zu 50% betragen.
3. Impuesto sobre la Electricidad (Stromsteuer)
Eine spanische Stromsteuer von aktuell 5,11% auf den Stromverbrauch. Nicht zu verwechseln mit der IVA.
4. Alquiler del equipo de medida (Zählermiete)
Du mietest deinen Stromzähler vom Netzbetreiber – ca. 0,80-1,20 €/Monat. Kaum beeinflussbar, aber gut zu wissen.
5. IVA (Mehrwertsteuer)
Auf Strom gilt aktuell der reduzierte IVA-Satz von 10% (normalerweise 21%, aber seit der Energiekrise temporär gesenkt). Dieser kann sich ändern – prüfe den aktuellen Satz auf deiner Rechnung.
PVPC vs. Mercado Libre: Welchen Tarif wählen?
In Spanien gibt es zwei grundlegend verschiedene Tarifmodelle:
PVPC (Precio Voluntario para el Pequeño Consumidor)
Der regulierte Tarif, festgelegt vom Staat. Der Preis schwankt stündlich basierend auf dem Börsenpreis. Vorteile:
- Keine Vertragsbindung, jederzeit wechselbar
- Transparent – Preise online einsehbar (App: „Red Eléctrica")
- In Niedrigpreisphasen sehr günstig
Nachteile: In Hochpreisphasen kann es teuer werden. Nur verfügbar bei Potencia bis 10 kW.
Mercado Libre (Freier Markt)
Hier bietest du dich an einen Festpreis pro kWh für 12-24 Monate. Vorteile:
- Planbare Kosten, keine Überraschungen
- Oft günstiger bei hohen Börsenpreisen
- Zusatzleistungen (Wartung, Versicherung) möglich
Nachteile: Vertragsbindung, manchmal versteckte Kosten, Vorzeitige Kündigung kann Strafe kosten.
Empfehlung: Für die meisten Auswanderer ist der PVPC-Tarif der beste Einstieg. Du bist flexibel, zahlst faire Preise und kannst später immer noch wechseln.
Anbieter wechseln: So geht's
Den Stromanbieter zu wechseln ist in Spanien überraschend einfach:
- CUPS-Nummer bereithalten: Das ist deine Anschlussnummer (steht auf jeder Rechnung, beginnt mit „ES" und hat 22 Zeichen). Die CUPS identifiziert deinen Anschluss eindeutig.
- Neuen Anbieter wählen: Vergleiche Tarife online (z.B. auf comparadorluz.com oder selectra.es).
- Online-Antrag ausfüllen: Name, NIE, CUPS, IBAN für die Lastschrift, gewünschter Tarif.
- Warten: Der neue Anbieter kümmert sich um alles – Kündigung beim alten Anbieter, Umstellung. Dauert ca. 2-3 Wochen.
- Fertig: Kein Techniker kommt, kein Stromausfall, der Zähler bleibt derselbe. Du bekommst einfach die nächste Rechnung vom neuen Anbieter.
Achtung: Prüfe vorher, ob dein aktueller Vertrag eine Mindestlaufzeit oder Kündigungsfrist hat. Bei PVPC-Tarifen gibt es keine – bei Mercado-Libre-Verträgen schon.
Potencia ändern: Hoch- oder runterstufen
Wenn du die Potencia contratada ändern willst (z.B. von 5,75 kW auf 3,45 kW), geht das über deinen Stromanbieter:
- Reduzierung: Kostenlos. Dein Anbieter beauftragt e-distribución, den ICP-Schalter umzuprogrammieren (ferngesteuert bei modernen Zählern).
- Erhöhung: Kann Kosten verursachen (Zugangsgebühr ca. 20-40 €), je nach Stufe.
- Dauer: Änderung innerhalb weniger Tage.
Typische Stromkosten auf Mallorca
Was zahlt man realistisch? Hier Richtwerte für 2026:
- 1-2-Personen-Wohnung, sparsam: 40-60 €/Monat
- Familie, 3-Zimmer-Wohnung: 70-110 €/Monat
- Haus mit Klimaanlage (Sommer): 120-200 €/Monat
- Großes Haus mit Pool + Klimaanlage: 200-350 €/Monat
Der größte Kostentreiber im Sommer ist die Klimaanlage. Ein effizientes Inverter-Gerät (A+++ Energielabel) spart gegenüber alten Geräten bis zu 40% Strom.
Spartipps für die Stromrechnung
- Potencia prüfen: Brauchst du wirklich 6,9 kW? Teste mit 4,6 kW – die Ersparnis ist sofort spürbar.
- Valle-Zeiten nutzen: Waschmaschine und Spülmaschine nachts oder am Wochenende.
- Standby killen: Spanische Wohnungen haben oft keinen zentralen Aus-Schalter. Steckerleisten mit Schalter nutzen.
- LED überall: Alte Glühbirnen in Mietwohnungen sofort gegen LED tauschen.
- Klimaanlage clever nutzen: 25-26 °C reichen. Jedes Grad weniger bedeutet ca. 7% mehr Stromverbrauch.
- PVPC-App nutzen: Die App „Red Eléctrica" zeigt dir stündlich die aktuellen Preise. Energieintensive Geräte in günstigen Stunden laufen lassen.
- Anbieter vergleichen: Mindestens einmal jährlich Tarife vergleichen. Der Wechsel dauert 20 Minuten Online-Aufwand.
Strom anmelden bei Einzug
Wenn du in eine neue Wohnung einziehst, gibt es zwei Szenarien:
Szenario 1: Strom läuft noch (Normalfall)
Der Vertrag läuft auf den Vormieter. Du musst einen Inhaberwechsel (cambio de titular) machen. Dafür brauchst du: NIE, Mietvertrag, CUPS-Nummer, IBAN. Das geht online beim jeweiligen Anbieter oder per Telefon.
Szenario 2: Strom ist abgestellt
Wenn die Wohnung länger leer stand, musst du einen Neuanschluss beantragen. Das dauert länger (bis zu 2-3 Wochen) und kann mit Kosten verbunden sein (Anschlussgebühr, ggf. Boletín Eléctrico = Elektro-Prüfzertifikat).
Hand aufs Herz
Die spanische Stromrechnung ist auf den ersten Blick kompliziert, folgt aber einer klaren Logik: Potencia (Grundgebühr) + Consumo (Verbrauch) + Steuern = Gesamtbetrag. Die wichtigsten Stellschrauben sind die richtige Potencia-Stufe und die Nutzung günstiger Valle-Zeiten. Ein Anbieterwechsel ist in 20 Minuten erledigt und kann dir 100-200 € im Jahr sparen.
Alle Alltagsthemen im Überblick: Auswander-Checkliste. Und wer sich als Autónomo selbständig macht, kann Stromkosten anteilig als Betriebsausgabe absetzen. Auch das Thema Müllentsorgung funktioniert auf Mallorca anders als in Deutschland.
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